Zeit ist relativ: Das Geheimnis der Zeit

Die Zeit: Sie ist allgegenwärtig, befindet sich im ständigen Fluss, steuert kontinuierlich auf die Zukunft zu. Sie ist nicht anzuhalten, nicht zu überspringen und repräsentiert eines der gegebenen Dinge im Leben, die der Mensch nicht zu kontrollieren vermag.

Das Phänomen der Zeit

Hast auch du dir schon einmal Gedanken über das Thema Zeit gemacht?
Dich gefragt, warum sie manchmal schneller und dann doch wieder langsamer zu vergehen scheint?
Ob es tatsächlich so ist, dass wir Menschen sie nicht kontrollieren können? Was es mit der Vergangenheit und Zukunft auf sich hat? Sind diese veränder- und beeinflussbar oder ist alles, was passiert, bereits determiniert?
Kennst du die Theorie, dass Zeit in Wirklichkeit gar nicht existiert und nur eine Illusion ist – alles in Wahrheit gleichzeitig existiert und passiert?
Ich persönlich finde diesen Gedanken sehr interessant und ich bin generell jemand, der jeder Theorie gegenüber offen ist, ehe diese nicht zu 100 % widerlegt wurde.
Ich denke außerdem, dass es viel mehr gibt, als das, was wir nur sehen und belegen können.
Doch letztere Theorie würde irgendwie auch implizieren, dass alles bereits vorherbestimmt ist und unser freier Wille ebenso nur eine Illusion, oder nicht?

Was bedeutet Zeit?

So rätselhaft das Phänomen der Zeit auf uns wirkt, ist es kaum verwunderlich, dass die Zeitthematik zu einer der ältesten Gegenstände der Wissenschaften zählt.
Was verstehen wir Menschen eigentlich unter der Begrifflichkeit ‚Zeit‘ und welche Bedeutung messen wir ihr bei?
Auf den ersten Blick ist eines klar: Der Mensch erlebt die Zeit in jedem einzelnen noch so kurzen und flüchtigen Augenblick, Zeit ist immer und überall, sie ist einfach unabdingbar und offensichtlich nicht kontrollierbar.
Zeit ist immateriell, für uns also haptisch nicht „[…] greifbar und ist somit ein Objekt metaphysischen Denkens.“ (Whitrow, 1991)
Die Zeit befindet sich in einem ständigen Fluss und bewegt sich stets von der Gegenwart in die Zukunft. Somit wird die eben noch gewesene ‚Gegenwart‘ zur Vergangenheit und die eben noch gewesene ‘Zukunft‘ zur Gegenwart. Damit ist klar, dass Zeit sich stets in ein und dieselbe Richtung bewegt, nämlich in Richtung Zukunft.
Der Zeitsinn des Menschen als solcher ergibt sich aus einer Kombination aus dem „Bewusstsein von Dauer“ und der „Wahrnehmung der Unterschiede zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“.  Zudem sorgt die Zeit für eine gewisse Ordnung von „Dinge[n], Beziehunge[n] und Reihenfolge[n] – dies scheint offensichtlich ihr Sinn und Zweck zu sein. Das Erkennen und Bewusstwerden von Zeit repräsentiert zudem eines der entschiedensten Merkmale, die uns Menschen von anderen Lebewesen unterscheiden. (Müller 2016)
Wir Menschen messen die Zeit mittels Uhren und Kalendern, in Sekunden, Minuten, Stunden, in Tagen, Monaten und Jahren – durch diese temporalen Disziplinen wissen wir uns im Alltag und im Leben zu orientieren.

„Die Zeit bestimmt den Rhythmus des sozialen Lebens und hilft [uns] dabei, [unser] Leben zu führen.“ (Morgenroth, 2008)

Fast alle Völker dieser Erde, ob nun fortgeschrittener oder weniger fortgeschrittener Natur, orientieren sich mithilfe einer bestimmten Art der „Zeitmessung und Zeitrechnung“, welche immer auf die innerhalb der Natur immer wiederkehrenden zyklischen „Veränderungen von Klima, Flora und Fauna“ oder auf die Astronomie zurückzuführen sind. (Whitrow, 1991)
Im Laufe der Geschichte der Menschheit ist ein anwachsendes Bewusstsein von Zeit festzustellen.
Heutzutage ist bereits nach dem Aufwachen die erste Frage, die sich uns aufdrängt, die Frage nach der Uhrzeit und auch nach dem Aufstehen sind wir stets bestrebt, die Uhrzeit im Auge zu behalten, unseren Tag nach Terminen zu planen und laufen dabei Gefahr, in Stress und Zeitnot zu geraten.
In früheren Zeitaltern ist das Zeitbewusstsein noch nicht derart präsent gewesen wie es das heute ist (Whitrow, 1991) – die Zeit hilft uns zwar ungemein bei der Organisation und Ordnung, ist dadurch aber irgendwie gleichzeitig zum Problem für uns geworden – zu etwas, das uns schnell unter Druck setzen kann und uns nur so wie Sand durch die Finger zu rinnen scheint.

Zeit ist relativ

Der Mensch scheint instinktiv die Auffassung zu vertreten, Zeit sei absolut und somit nicht beeinflussbar durch äußere Begebenheiten.
Wissenschaftler sind seit Einsteins Relativitätstheorie jedoch davon überzeugt, dass Zeit relativ sei.
Laut Einstein ist die Zeit abhängig von „Raum“, „Gravitation“ sowie „Geschwindigkeit“. (Mark 2009)
Seine Spezielle und Allgemeine Relativitätstheorie, die besagten, dass Zeit relativ und nicht absolut sei, verbreiteten sich zu Anfang des 20. Jahrhunderts. Diese weisen auf Veränderungen in der Beziehung von Raum und Zeit hin, sobald sich etwas Bewegendes der „Lichtgeschwindigkeit“ annähert. Daraus resultiert ein „abweichender Zeitverlauf“ im Gegensatz zu Objekten, deren Geschwindigkeit darunter liegt. Somit entsteht die „Zeitdilatation“:
Sobald sich ein Objekt mit annähender Lichtgeschwindigkeit bewegt, vergeht die Zeit auf oder innerhalb dieses Objekts langsamer als beispielsweise auf der Erde: Je schneller ein Mensch reist, desto höher wird seine Masse und desto langsamer läuft seine physische Zeit ab. Für ihn selbst hingegen läuft seine persönliche Zeit wie üblich immer gleich ab. Um einen Zeitstillstand zu erreichen – damit die Zeit für uns im Vergleich zum Rest der Materie stehenbleibt, müssten wir Menschen Lichtgeschwindigkeit erreichen. Mit dieser wären Zeitreisen zumindest in die Zukunft also theoretisch möglich.
Dass Masse, also Materie, einen Einfluss auf den Verlauf der Zeit hat, soll bereits zwischen zwei Treppenstufen nachweisbar sein und Atomuhren sollen bereits zweifellos bestätigt haben, dass bei einem Höhenunterschied von 33 Zentimetern eine höher platzierte Atomuhr schneller läuft als eine tiefere.
Albert Einsteins Relativitätstheorien sollen jedoch auch besagen, dass keine speziell ausgezeichnete Gegenwart existiert, und dass alle Momente gleich real sind. Das würde jedoch bedeuten, dass die Zukunft nicht offener als die Vergangenheit ist und das wiederum, dass sie tatsächlich determiniert ist.

Warum empfinden wir Zeit so unterschiedlich?

Hast du schon einmal etwas vom  „subjektiven Zeitparadoxon“ gehört?
Wenn viel zu einer Zeit passiert und wir von vielen Sinneseindrücken auf einmal übermannt werden, bekommen wir das Gefühl, dass die Zeit rasend schnell vergeht. Wenn hingegen weniger passiert, weniger Eindrücke auf uns einprasseln und wir uns langweilen, kann sich der Moment wie eine Ewigkeit anfühlen. Erinnern wir uns aber an die reizüberflutete Zeit zurück, kommt uns diese im Nachhinein viel länger vor, als die weniger ereignisreichen Momente – ein Paradoxon, nicht wahr?
Wie so vieles, wird vielleicht auch der Begriff der Zeit immer ein rätselhaftes Phänomen für uns bleiben. Vielleicht kommt es wie so oft, auch einfach nur darauf an, was wir daraus machen.
Fühlen wir uns gestresst und gehetzt, eilen wir von Termin zu Termin, so haben wir automatisch das Gefühl, die Zeit würde uns davonrennen. Wenn wir mit mehr Leichtigkeit und entspannter in den Tag starten, scheint uns auch die Zeit vielleicht nicht mehr so davonzugleiten.
Und was ist nun mit der Vergangenheit und der Zukunft?
Warum existieren diese laut Einsteins Theorien, der gegenwärtige Moment jedoch hingegen nicht und warum erfahren wir es genau andersherum? Ist die Zukunft tatsächlich determiniert, unser freie Wille nur eine Illusion oder ist die Zukunft ein völlig ungeschriebenes Blatt, das allein von uns beschrieben wird – oder steckt vielleicht in beidem eine Wahrheit?

 

 

Quellen:
Andreas Michael Mark: Ist die Zeit wirklich relativ? Norderstedt 2009, S. 17.
G.J. Whitrow: Die Erfindung der Zeit. Hamburg 1991, S. 17, 23, 34, 38.
Kurt Weis: Zur Einführung: Was verdeutlicht das Fragen nach Zeit? In Was ist Zeit? Hrsg. von Kurt Weis. München 1995, S.9..
Olaf Morgenroth: Zeit und Handeln. Psychologie der Zeitbewältigung. Stuttgart. 2008, S. 11.
Was ist Zeit? Philosophische und geschichtstheoretische Aufsätze. S. 11, 12, 15.
Bild von Bruno /Germany auf Pixabay

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