Die Anderen - Gratis-Kapitel einer Fantasy-Saga 📖

(Gratis-Kapitel: Anastasia und die Quelle der Existenz Teil I)

Die Anderen

Der Mond tauchte den Nachthimmel in einen ungewöhnlichen Farbton und die Luft trug eine strenge KĂŒhle heran. HartnĂ€ckiger Nebel trieb ĂŒber dem Boden und hĂŒllte alles um uns herum in eine undurchlĂ€ssige Stille. Alles schien in Reglosigkeit zu verharren, bis auf Jake und mir. Minuten waren vergangen und immer noch liefen wir schweigend nebeneinander her. Mein Hirn ratterte, meine Gedanken ĂŒberschlugen sich. Mein Herz schlug mir vor Aufregung bis zum Hals und meine Beine fĂŒhlten sich fortwĂ€hrend wie Gummi an. Ununterbrochen schwirrte mir Lenas blutĂŒberlaufenes Gesicht vor Augen herum, ihre vor Wut und Hass verzerrte Miene. Ihr markerschĂŒtterndes Kreischen schien in meinen Ohren widerzuhallen und ich zuckte unwillkĂŒrlich zusammen. Das hat sie mit Absicht getan! Sie ist vollkommen verrĂŒckt! Sie ist böse! Ich erinnerte mich an diese grenzenlose Macht in mir, die ich verspĂŒrt hatte, wĂ€hrend ich den grĂŒnen Stein in meinen HĂ€nden gehalten und mir gewĂŒnscht hatte, ich könnte Lena von Jimmy trennen. Dann an mein innerliches Triumphieren und die Schadenfreude, die anschließend in mir aufgestiegen waren.
Und schließlich die SchuldgefĂŒhle, die an mir nagten, als wĂ€re tatsĂ€chlich ich fĂŒr ihre Verletzungen verantwortlich gewesen. Außerdem verfolgten mich auch Daniels Worte. Er versuchte mir zu verdeutlichen, dass der grĂŒne Stein in meiner Hand kein Spielzeug sei. Er hatte förmlich auf mich eingeschrien und dieser furchteinflĂ¶ĂŸend ernste Ausdruck in seinen Augen ließ mich nicht mehr los. Warum versteckte Brookes Familie diese Steine in ihrem Keller, montierten sie in alle möglichen GegenstĂ€nde ein und ĂŒbermalten sie mit irgendwelchen anderen billigen Farben, womit sie bloß ihre wahre Schönheit verbargen? Das Ganze kam mir so unwirklich, so surreal vor. Ich schloss die Augen und wĂŒnschte mir, gleich im Bett meines alten Zimmers in Birmingham wieder aufzuwachen. Alles schien so unglaublich merkwĂŒrdig und all diese merkwĂŒrdigen Ereignisse und GefĂŒhle der vergangenen Wochen kochten jetzt wieder unaufhaltsam in mir hoch: Die seltsamen GesprĂ€che zwischen Lena, Jake und dem Rest ihrer Clique die ich zufĂ€llig mitbekam, das eigenartige GefĂŒhl dieser unbegrenzten StĂ€rke und Energie und diese Verbindung zu diesem Ort, die ich jeden Morgen verspĂŒrte wenn ich aufwachte. Jimmy, der sich seit dem wir in Longford lebten, noch seltsamer in der NĂ€he von Wasser verhielt als zuvor, und Tom, der meinen Argwohn mit seinen besorgten Blicken und seinen rĂ€tselhaften Ansagen nur noch verstĂ€rkte, dass hier etwas nicht stimmte. Und dann war da noch Jake, der mir von der ersten Begegnung an ein schier unlösbares RĂ€tsel aufgab. Eigentlich war mir nicht nach Gesellschaft. Viel lieber wollte ich allein sein, um mal wieder ungestört ĂŒber die ungerechte FĂŒgung meines Schicksals nachzugrĂŒbeln und darĂŒber, ob ich mir das alles nur einbildete oder ich tatsĂ€chlich gerade dabei war, meinen Verstand zu verlieren. Andererseits wollte ich eine ErklĂ€rung fĂŒr das Ganze. Also wartete ich, bis Jake sich endlich zu Wort meldete. Er schien nach den richtigen Worten zu ringen, auf seiner Stirn lag eine Sorgenfalte. Sein Blick war starr in die Ferne gerichtet. Ich sah zu ihm rĂŒber und rĂ€usperte mich. Er erwiderte meinen Blick, doch es dauerte noch eine Weile, bis er etwas sagte.
„Zuerst muss ich mich fĂŒr Daniels Verhalten entschuldigen. Das Ganze war so nicht vorgesehen. Er sollte es dir schonend beibringen und dir keine Angst einjagen“, erklĂ€rte er.
„Tja, das ist ihm wohl nicht ganz gelungen“, entgegnete ich. „Wirst du mir jetzt erzĂ€hlen, was es mit diesen eigenartigen, grĂŒnen Edelsteinchen auf sich hat? Du hattest auch so etwas in deiner Tasche, habe ich Recht? Was sind das fĂŒr Dinger? Sind das irgendwelche Drogen?“, sprudelte es aus mir heraus. Jake verfiel in prustendes GelĂ€chter. Als er jedoch feststellte, dass ich das ganz und gar nicht witzig fand, kriegte er sich wieder ein.
„Tschuldige“, sagte er sich rĂ€uspernd. „Na ja, eigentlich hast du damit gar nicht mal so Unrecht. Als eine Art Droge könnte man sie schon bezeichnen… Zumindest fĂŒr Menschen wie uns.“
„Was soll das heißen, ‚fĂŒr Menschen wie uns‘?“, fragte ich perplex.
Jake seufzte einmal ausgiebig und rieb sich wieder das Gesicht, als hÀtte er einen anstrengenden Tag hinter sich.
„Um ehrlich zu sein, habŽ  ich keine Ahnung, wo ich anfangen soll. HĂ€tte ich mal doch lieber Daniel die Aufgabe ĂŒberlassen.“ Jake blickte nachdenklich gen Boden und murmelte irgendetwas UnverstĂ€ndliches vor sich hin.
„Ich glaube, ich fang am besten mal beim SpĂ€tsommerfest an“, setzte er dann euphorisch an, als wurde er ganz plötzlich von einem Geistesblitz getroffen. „Du erinnerst dich daran, dass ich angekĂŒndigt hatte, du wĂŒrdest mich als SpĂ€tsommerpartner ziehen und wir wĂŒrden unseren Abend gemeinsam verbringen?“ Ich nickte. Bis jetzt, hatte ich immer noch nicht von ihm erfahren, warum er sich da so sicher gewesen war.
„Mr Parker hat dir das Los aus der Hand gerissen, bevor du entziffern konntest, welcher Name auf ihm stand, richtig?“  Ich nickte wieder. „Eigentlich, war es gar nicht mein Name, den du gezogen hattest. Dass wir den Abend zusammen verbringen sollten, war geplant. Unsere Gemeinde und der MĂ€chtigenrat wollten es so.“
„Wie bitte? Was fĂŒr ein Rat?“, fragte ich wieder perplex.
„Dazu kommen wir spĂ€ter. Jedenfalls, sollte eigentlich Tom dein Partner werden. Aber uns war klar, dass es wohl zu auffĂ€llig wĂ€re, wenn Lena ausgerechnet Jimmy und du ausgerechnet Tom ziehen wĂŒrdest.“
„Und mir eine halbe Woche vor dem Fest anzukĂŒndigen, dass ich dich ziehen wĂŒrde, ist also unauffĂ€lliger, ja?“, fragte ich verstĂ€ndnislos.
„Ja, ich weiß, das war dumm von mir. Irgendwie konnte ich meine Klappe nicht halten. Wie auch immer, Lena und Tom erhielten ursprĂŒnglich die Aufgabe, euch in unsere Gemeinde zu integrieren, damit ihr euch hier erst einmal wohl fĂŒhlt. Lena hat jedoch, aus welchem Grund auch immer, irgendwie ein ganz schön großes Problem damit.“ Dass Lena und Tom die Aufgabe von ihren Eltern erhielten, sich mit Jimmy und mir anzufreunden, war mir bereits bewusst. Was mich jedoch irritierte war, dass Jake stĂ€ndig von irgendeiner Gemeinde sprach.
„Ihr seid nicht aus irgendeinem Grund nach Longford gezogen, Stacy. Der Grund dafĂŒr, dass ihr hierher zu uns gezogen seid, ist viel tiefgrĂŒndiger als du glaubst und sprengt wahrscheinlich den Rahmen deiner gesamten Vorstellungskraft.“ Jake blieb stehen und sah mich eindringlich an. Seine verspielte Art und sein freches Grinsen waren verschwunden. Alles was blieb, war ein todernster, ehrlicher Blick und eine Wichtigkeit in seiner Stimme, die mich erschauern ließ.
„Das gewöhnliche Leben, das du bisher gefĂŒhrt hast ist nun vorbei, Stacy. FĂŒr deine Familie wird sich alles Ă€ndern. Ihr seid zu weitaus mehr bestimmt als zu dem, was bisher war.“ Jakes Augen funkelten geheimnisvoll. Ich wollte etwas sagen, doch bekam kein Wort heraus.
Ich hatte keine Ahnung, was mich gleich erwarten wĂŒrde. Welch noch so einschlagende Nachricht, die mein Leben fĂŒr immer verĂ€ndern wĂŒrde. Das einzige, was ich wusste, war, dass dies kein Scherz sein sollte. Der Ausdruck in Jakes Augen verriet mir, dass er die Wahrheit sagte und dass es ihm verdammt ernst war. Außerdem ließen die Ereignisse des heutigen Tages und auch die der vergangenen Wochen nur darauf schließen, dass irgendetwas vollkommen SchrĂ€ges vor sich ging, dessen EnthĂŒllung nun wirklich nicht noch lĂ€nger auf sich warten lassen konnte.
„Wir sind anders, Stacy.“, setzte Jake an. „Du und ich, Jimmy, Lena und Tom, Tina, Nathan, Daniel, Brooke und auch deine Eltern und unsere Eltern und Geschwister. Deine Eltern wollten es Jimmy und dir schon lange beichten, doch sie wussten nicht wie. Und der MĂ€chtigenrat hielt es fĂŒr besser, wenn ihr euch langsam an alles gewöhnt und nach und nach selbst darauf kommt.“ Es rieselte mir eiskalt den RĂŒcken herab. Jakes Ansage schnĂŒrte mir erneut die Kehle zu. Meine Gedanken ĂŒberschlugen sich und ich versuchte verzweifelt, sie wieder zu ordnen. Die ganze Zeit ĂŒber hatte ich mich nach einer ErklĂ€rung fĂŒr all das hier gesehnt, doch nun geriet meine Entschlossenheit, endlich die Wahrheit zu erfahren, in starkes Wanken. Was, wenn ich die Wahrheit gar nicht wissen wollte? Was, wenn sie mich vollkommen ĂŒberwĂ€ltigen und ich sie nicht ertragen wĂŒrde? Warum hielten meine Eltern sie von mir fern? Und was war mit Jimmy? Kannte er sie bereits? Doch gerade als Jake fortfahren wollte, wurden wir von aufgeregtem Gekicher unterbrochen.
Wir drehten uns in die Richtung, aus der es kam und in der Dunkelheit erschienen drei immer grĂ¶ĂŸer werdende Gestalten. Als sie auch uns bemerkten, verstummte ihr Gekicher als hĂ€tte jemand einen Schalter betĂ€tigt.
„Billy Anderson?“, fragte Jake ĂŒberrascht. „Was macht der denn hier?“, flĂŒsterte er. Sein Gesicht spiegelte pures Entsetzen wieder.
„Jake Pearson, na sieh mal einer an. So ein Zufall, dass wir hier aufeinandertreffen“, sagte eine der drei Gestalten. Es war die Gestalt genau in der Mitte. Ein großer, gut gebauter Kerl mit dunklem Haar. Er trug eine schwarze Lederjacke und verschrĂ€nkte die Arme lĂ€ssig vor der Brust. Auf seinem Gesicht lag ein fieses, angriffslustiges Grinsen.
„Ja, vor allem, weil ihr euch hier nicht auf eurer Seite der Stadt befindet“, gab Jake hitzig zurĂŒck. Die drei Gestalten lachten laut auf und warfen sich untereinander geheimnisvolle Blicke zu. Ich sah, wie sich die Sehnen unter Jakes Shirt spannten und er unwillkĂŒrlich die HĂ€nde zu zwei FĂ€usten ballte.
„Was habt ihr hier zu suchen, Anderson?“, wollte Jake wissen. Der Typ in der Mitte grinste einen Augenblick schweigend, dann erklĂ€rte er fröhlich:
„Wir haben lediglich einen Termin bei unserem neuen Schuldirektor wahrgenommen.“ Sein fieses, selbstgefĂ€lliges Grinsen wurde immer breiter.
„Welcher neue Schuldirektor? Ein Termin mitten in der Nacht?“ Jake wirkte sehr nervös und schien die Geduld zu verlieren.
„Mr Parker, wer denn sonst“, antwortete der Kerl namens Billy Anderson. „Unser GesprĂ€ch nahm einige Zeit in Anspruch. Du weißt schon, das Übliche eben, StundenplĂ€ne, SchulbĂŒcher, Aufenthaltsgenehmigungen…“ Das letzte Wort sprach er sehr langsam und betont aus, als wĂ€re Jake schwerhörig oder schwer von Begriff. Dieser Billy Anderson warf der Gestalt links von sich ein schiefes, triumphierendes Grinsen zu und der Typ neben ihm erwiderte es. Dieser kaute auf irgendetwas herum, wodurch ein lautes und unangenehmes Schmatzen entstand. Er war etwas kleiner als sein Kamerad, hatte etwas helleres Haar und trug dieselbe Lederjacke wie er.
„Was soll das heißen, Aufenthaltsgenehmigung? Euch steht nicht einmal im Geringsten zu, unsere Seite der Stadt zu betreten!“ Jake trat einen Schritt nach vorn und sprach aus leicht zusammengebissenen ZĂ€hnen.
„Glaubst du etwa, du kannst mir Angst einjagen, Pearson?“ Dieser Billy Anderson musterte Jake abfĂ€llig. Dann verkĂŒndete er:
„Die Nutzung des GebĂ€udes der Saint McSawyerson High School steht unserer Gemeinde ebenso zu wie eurer. Immerhin war auch unsere Gemeinde an ihrer GrĂŒndung beteiligt. Wie du weißt, leben zwei der GrĂŒnderfamilien sogar auf unserer Seite der Stadt: Die McCollins und die Andersons. Dem stimmen auch der MĂ€chtigenrat und der Schuldirektor zu. Demnach sind wir ab Montag auch SchĂŒler der Saint McSawyerson High School, und ihr könnt rein gar nichts dagegen unternehmen.“ Der fiese Typ verfiel in glucksendes GelĂ€chter und seine Freunde stimmten darin mit ein. Der Typ links neben ihm kicherte irr und spuckte etwas vor Jakes FĂŒĂŸe. Es war die kaputtgeknabberte Schale eines Sonnenblumenkerns. Jake starrte unglĂ€ubig auf das matschige Etwas, das nur um ein Haar einen seiner weißen Sneakers getroffen hĂ€tte. Die Gestalt, die ganz rechts stand, war ein MĂ€dchen. Ihr Lachen war penetrant und irgendwie aufgesetzt, außerdem erinnerte es mich an das Grunzen eines Schweins.
„Sei froh, dass du mich nicht getroffen hast, Jackson“, wandte Jake sich an den Typen, der ihm vor die FĂŒĂŸe gespuckt hatte.
„Sonst was? Willst du dich etwa mit uns duellieren?“, fragte der Typ.
„Mathew Jackson, das lebenslange AnhĂ€ngsel der Familie Anderson meldet sich zu Wort. Hat dein Gebieter dir etwa gestattet zu sprechen, ja?“ Jake schmunzelte.
„Ich wage stark zu bezweifeln, dass er sich mit uns duellieren will, Mathew“, warf dieser Billy Anderson lautstark ein. „Es sei denn, er will genauso enden wie sein Taugenichtsbruder.“ Die letzte Aussage schien etwas in Jake bewegt zu haben. Seine wĂŒtende, hasserfĂŒllte Miene löste sich schlagartig auf. Ein schmerzlicher Ausdruck huschte ĂŒber sein Gesicht und seine angespannten FĂ€uste lockerten sich wieder. FĂŒr einen Augenblick erstarrte er gedankenversunken.
„Lass meinen Bruder aus dem Spiel, und wage es ja nicht, in meiner Gegenwart jemals wieder seinen Namen zu erwĂ€hnen“, sagte er einige Sekunden spĂ€ter. Jake zitterte vor Wut. Seine Lippen fest aufeinander gepresst, als versuchte er, sich selbst davon abzuhalten, etwas Falsches zu sagen. Einen Moment lang starrten sich Jake und dieser Billy Anderson unverwandt in die Augen. Jake schien innerlich mit irgendetwas zu ringen. Er holte zitternd Luft, bis sich der schmerzliche Ausdruck in seinen Augen wieder löste und er versuchte, den gleichen angriffslustigen Blick aufzusetzen wie sein GegenĂŒber.
„Ich wĂŒrde euch raten, hier schleunigst zu verschwinden. Ich glaube nicht, dass es euch gestattet ist, unser Gebiet außerhalb der Schulzeiten zu betreten. Und ihr habt doch nicht etwa vor, wie so oft, die ÜbereinkĂŒnfte zu missachten.“ Jake bewegte den Kopf leicht hin und her, wĂ€hrend er tadelnd mit der Zunge schnalzte.                                                    „Die ÜbereinkĂŒnfte?“ Jakes GegenĂŒber rĂŒmpfte die Nase und schnaubte abfĂ€llig. „Dass ich nicht lache! Wir haben es nicht nötig, uns an irgendwelche schwachsinnigen ÜbereinkĂŒnfte zu halten.“ Er schĂŒttelte missbilligend, gleichzeitig amĂŒsiert den Kopf. Unerwartet meldete sich das MĂ€dchen zu Wort. Es kam einige Schritte auf mich zu und sah mich mit herablassendem Blick an.
„Und wer ist eigentlich das? Warum stellst du uns deine kleine Freundin nicht vor, Pearson? Wie unhöflich von dir.“ Missbilligend schĂŒttelte sie den Kopf und rĂŒmpfte dabei die Nase. Sie war groß und schlank. Ihr Kopf war von orangenen, zotteligen Haaren umgeben und ihr Gesicht von zahlreichen Sommersprossen ĂŒbersĂ€t. Ihre giftgrĂŒnen Augen blitzten dĂ€monisch in der Dunkelheit auf. Vom Typ her, erinnerte sie mich an Lena Hanson. Dennoch konnte dieses MĂ€dchen Lena nicht im Geringsten das Wasser reichen. Es hatte kleine Augen, eine spitze Nase und ein hĂ€ssliches Grinsen. Ihr belustigter Tonfall missfiel mir und sie kam mir eindeutig zu nahe. Sie warf mir einen mitleidigen Blick zu und musterte mich abschĂ€tzig. Dann sagte sie: „Treibst du dich eigentlich immer mit einfachen Leuten herum oder ist sie nur wieder eines deiner erbĂ€rmlichen Versuche, mit Hilfe deiner Gabe dein Ego ein wenig aufzupolieren, Mr. Charming?“ Sie blickte mir tief in die Augen, als wollte sie damit etwas bezwecken und augenblicklich ĂŒberfielen mich heftige Kopfschmerzen. Mir wurde schwindelig und kotzĂŒbel, gleichzeitig ĂŒberkam mich ein extremer Energieschub. Es war, als meldete sich eine innere Kraft in mir, wie diese innere Stimme, die mich vor Jakes absurden Aufforderungen beschĂŒtzte. Es war, als versuchte dieses MĂ€dchen krampfhaft etwas mit mir anzustellen und als wehrte sich etwas tief in mir mit aller Macht dagegen. Hilfesuchend sah ich zu Jake hinĂŒber.
„GibÂŽs auf, Alissa, deine Gabe hat bei ihr keine Chance.“ Jake schnappte nach meiner Hand und zog mich zu sich. Das MĂ€dchen runzelte die Stirn, schĂŒrzte eingeschnappt die Lippen und wandte sich an Jake.
„Sie ist eine von euch?“, fragte sie verwundert.
Jake lÀchelte triumphierend.
„Ja, das ist sie. Eure zerstörerischen Gaben zeigen bei ihr also keinerlei Wirkung.“
Schlagartig drĂ€ngelte sich einer der beiden Jungen hervor. Mit beiden Armen rudernd, drĂ€ngte er seine Freundin förmlich von sich weg, um zu mir zu gelangen. Das MĂ€dchen taumelte einen Schritt zur Seite und sah mich wĂŒtend an, als wĂ€re das meine Schuld gewesen.
„Anastasia?“, fragte er. Durchdringend blickte er mich an, musterte mich von oben nach unten und wieder zurĂŒck. Dann blieb sein Blick an meinen Augen haften und wir beide sahen einander einen langen Moment ĂŒber schweigend an. Sein fieses Grinsen und seine angriffslustige Miene lösten sich abrupt auf. Ich nickte und ein ĂŒberraschtes Funkeln erschien in seinen Augen. Starke, ungezĂŒgelte Emotionen strahlten mir entgegen – rein – echt, jedoch undefinierbar. Ich konnte mir nicht erklĂ€ren, woher er meinen Namen kannte und warf Jake einen fragenden Blick zu, doch er wirkte mindestens genauso ahnungslos wie ich.
„Ich bin Billy Anderson. Freut mich, deine Bekanntschaft zu machen.“ Er streckte mir seine Hand entgegen und ohne nachzudenken, reichte ich ihm meine. Er umschlang sie fest und schĂŒttelte sie eine Weile, als fiele es ihm schwer, sie wieder loszulassen. „Das sind meine Freunde, Mathew Jackson und Alissa Thomson“, fuhr er fort.                                     „Nimm deine dreckigen Pfoten von ihr!“, wĂŒtete Jake. Er schlug den Arm des Jungen von mir weg und zog mich grob an sich. Mit seinen starken, schĂŒtzenden Armen umschlang er mich, als mĂŒsste er mich vor einem gefĂ€hrlichen, tödlichen Tier beschĂŒtzen.
„Macht, dass ihr von hier verschwindet!“, forderte er.
„Hey Jungs, da kommt Jemand. Lasst uns abhauen“, drĂ€ngte das MĂ€dchen. Es drehte sich um und stolperte aufgeregt in Richtung Wald. Der andere Kerl folgte ihr, doch dieser Billy Anderson blieb noch eine Weile stehen. Völlig ĂŒberrumpelt wurde ich, von seiner unerwarteten, entrĂŒsteten Herzlichkeit mir gegenĂŒber. Er blickte mir tief in die Augen und ich fragte mich, warum er ein derart lebhaftes Interesse an mir zu haben schien, gleichzeitig, woher er meinen Namen kannte. Jake hingegen, wĂŒrdigte er keines Blickes mehr.
Ein intensiver Moment verstrich. Tief in mir regte sich etwas. Es war, wie eine Vorahnung, ein abstruses Wissen, eine obskure Wahrheit, die mich in genau diesem Moment auf unerklĂ€rlicherweise ĂŒberwĂ€ltigte. Doch es war nur ein Wimpernschlag, bis diese wieder erstarb. Ich blinzelte ĂŒberrascht und hinter uns ertönten Stimmen. Billy Anderson fuhr herum und die drei seltsamen Freunde zogen sich zurĂŒck, bis ihre Silhouetten mit den Schatten des dichten, schwarzen Waldes verschmolzen. Wir drehten uns um, wollten wissen, vor wem die drei davonliefen.
„Hast du es getan?“, fragte Nathan vorsichtig, als Tina und er plötzlich vor uns standen.
„Ich wurde unterbrochen“, erwiderte Jake aufgeregt. „Billy Anderson und seine AnhĂ€ngsel waren hier.“
Nathan und Tina warfen einander sofort ĂŒberraschte Blicke zu.
„Das kann nicht sein. Sie dĂŒrfen unsere Seite der Stadt nicht betreten. Sie können es nicht, weil…“
„Ich weiß, ich weiß“, unterbrach Jake. „Weil das Blut das in ihnen Adern fließt, sie von der Überquerung der inneren Stadtgrenze abhĂ€lt. Doch was, wenn man ihnen die Befugnis erteilt hat, unsere Vorstadt zu betreten?“
„Was meinst du damit?“, wollte Nathan wissen.
„Ich meine damit, dass dein Dad ihnen eine Genehmigung zur Überquerung unserer Stadtgrenze gewĂ€hrt hat, da sie ab Montag unsere Schule besuchen werden.“
„Das… das ist jetzt ein schlechter Scherz, oder?“, stotterte Nathan unglĂ€ubig. „Jetzt ist nicht die richtige Zeit fĂŒr solche Scherze, Jake.“
„Ich glaube nicht, dass es sich um einen Scherz handelt. Wir sollten den Rest von uns benachrichtigen und uns schleunigst auf den Weg zu dir nach Hause machen, um mit deinem Dad zu sprechen“, verlangte Jake.
„Tina, wĂŒrdest du Stacy nach Hause bringen?“ Tina nickte selbstverstĂ€ndlich und nahm mich an die Hand. Die beiden Jungen schienen keine Zeit verlieren zu wollen und sputeten los. Tina zog mich an den Straßenrand, worauf ich automatisch stoppte.
„Du willst doch wohl nicht etwa dadurch, oder?“ Mit ausgestrecktem Finger zeigte ich auf den Wald.
„Das ist eine AbkĂŒrzung zu dir nach Hause. Außerdem habe ich nicht vor, den Anderen ĂŒber den Weg zu laufen, du etwa?“ Mit einem leicht hysterischen Blick, der ĂŒberhaupt nicht zu ihrem stets ruhigen und gefassten Wesen passte, sah sie mich an.
„Wer sind die Anderen?“, wollte ich wissen. „Meinst du die drei von eben gerade? Sie haben auch den Weg durch den Wald genommen.“
„Die Anderen sind unsere Feinde. Sie halten sich nicht an die ÜbereinkĂŒnfte, die GrundsĂ€tze und unsere Traditionen. Sie sind unmenschlich, skrupellos und gehen ĂŒber Leichen, um an das zu kommen, was sie wollen. Sie haben Nick auf dem Gewissen.“ Tinas Augen funkelten vor Zorn. Und obwohl ich nur die HĂ€lfte von dem verstand, was sie da erzĂ€hlte, begriff ich sofort, dass die Anderen die Personifizierung des Bösen sein mussten. Doch warum hatte sich dieser Billy Anderson mir dann so höflich vorgestellt? Was sollte dieses positive Erstaunen in seinen strahlenden Augen? War es bloß, um Jake zu verĂ€rgern und ihn zu provozieren, oder steckte noch etwas anderes dahinter?
„Wer ist Nick?“, fragte ich.
„Nikolai Pearson war Jakes Ă€lterer Bruder. Er ist tot. Die Anderen haben ihn auf dem Gewissen.“ Tina schluckte schwer. Ein Ă€hnlich schmerzlicher Ausdruck wie zuvor bei Jake zog sich ĂŒber ihr Gesicht. Auch mir machte diese Tatsache schwer zu schaffen. Ich hatte nicht die leiseste Ahnung davon gehabt, dass Jakes Bruder verstorben war.                       „Im Wald ist es stockdunkel. Hier werden sie uns nicht sehen. Auf der Straße wĂŒrde man uns sofort entdecken.“ Tina sah sich wachsam um und zerrte an meinem Ärmel. Ich seufzte und folgte ihr. TatsĂ€chlich herrschte im Wald eine unheimliche Dunkelheit. ZusĂ€tzlich war er vollkommen zugewachsen.
Große knorrige BĂ€ume ragten in den Himmel hinauf, die in der Dunkelheit aussahen wie angsteinflĂ¶ĂŸende Nachtgestalten. Ansonsten konnte ich nichts erkennen. Ab und an wurde ich von einem Zweig ins Gesicht gepeitscht, doch ich hatte keine Chance, dem zu entkommen. Tina zog an meiner Hand und sprintete wie um ihr Leben. Diese sogenannten Anderen mussten wirklich gefĂ€hrlich sein, warum hatte sie sonst eine solche Angst vor ihnen? Tausende von Fragen drĂ€ngten sich mir auf, die eine absurder als die andere. Ich Ă€rgerte mich darĂŒber, dass dieser Billy Anderson und seine Freunde uns unterbrochen hatten, immerhin hatte Jake gerade vorgehabt, mich endlich aufzuklĂ€ren. Ich wollte Tina um ErklĂ€rung bitten, doch ich war bereits aus der Puste. DarĂŒber hinaus war das, was mich in diesem Moment am meisten beschĂ€ftigte, dass Tina sich in diesem Wald scheinbar bestens auskannte. Man konnte praktisch nichts erkennen und sie bewegte sich durch dieses Labyrinth von GestrĂŒpp als kannte sie es wie ihre eigene Westentasche oder als befĂ€nde sich in ihr ein Navigationssystem.
Ich ließ mich einfach von ihrer Hand leiten, bis wir schließlich aus dem Wald traten, der an unser GrundstĂŒck grenzte. Ich stĂŒtzte mich mit beiden HĂ€nden an meinen Oberschenkeln ab und atmete tief ein und wieder aus.
„Du scheinst dich ja im Wald ziemlich gut auszukennen“, kommentierte ich schweratmend. Tina reagierte nicht und steuerte schweigend unsere HaustĂŒr an. Zu Hause war niemand da.
„Wo sind deine Eltern?“
„Sie wurden von den Hansons zum Dinner eingeladen. MĂŒssen wohl immer noch dort sein.“
„Gut“, antwortete Tina beruhigt. „Und jetzt verriegele die TĂŒr.“ Sofort folgte ich ihrer Anweisung. Tina betrat unsere KĂŒche und setzte sich an den Tisch. Sie legte ihren Kopf in die HĂ€nde und schwieg. Ich setzte mich gegenĂŒber von ihr und wartete, bis sie wieder zu mir hochsah.
„Ich verstehe das nicht. Wie konnte Nathans Dad so etwas zulassen? Ihm muss doch klar sein, dass der einzige Grund fĂŒr die Anderen, unsere Schule zu besuchen, derjenige ist, uns auszuspionieren, um sich unsere Reserven der Quelle unter den Nagel zu reißen.“ Sie sah mich an, als erwartete sie, dass ich verstand, wovon sie da redete.
„Das kann einfach nicht wahr sein. Das darf nicht wahr sein…“, fĂŒgte sie nachdenklich hinzu.
„Meinst du die grĂŒne Droge, die bei Brooke im Keller gelagert ist? Warum war dieser grĂŒne Schimmer fĂŒr Freddy unsichtbar? Und was meinte Jake damit, als er sagte, das Blut der Anderen wĂŒrde sie daran hindern, die Stadtgrenze zu ĂŒberqueren? Und warum behauptet Jake, wir wĂ€ren anders als normale Leute?“ Die Fragen sprudelten ungezĂ€hmt aus mir heraus. Ich hatte das Ganze satt und musste endlich wissen, was hier vor sich ging. Tina schmunzelte. Genau wie Jake konnte sie sich ein Kichern nicht verkneifen.   „Hat Jake dir etwa erzĂ€hlt, die Quelle sei eine Droge?“ Wieder schmunzelte sie.
Ihr amĂŒsierter Tonfall missfiel mir und ich sah sie beleidigt an.
„Ich finde das Ganze ganz und gar nicht witzig.“
„Du hast Recht. Das ist es auch nicht. Wir dĂŒrfen den Ernst der Lage nicht unterschĂ€tzen.“
„Dann erklĂ€re ihn mir. ErklĂ€r mir alles“, forderte ich. Tina seufzte angestrengt. Sie sah mich an, als erwartete ich das Unmögliche von ihr. KopfschĂŒttelnd und mit verzweifeltem Gesichtsausdruck starrte sie aus dem Fenster.
„Ist es denn so schwer, es mir zu erklĂ€ren? Ich meine, die HĂ€lfte weiß ich doch sowieso schon.“ Langsam drehte Tina ihren Kopf wieder in meine Richtung.
„Du weißt nicht mal annĂ€hernd so viel wie die HĂ€lfte. Nicht einmal wir wissen alles. Es ist nicht so leicht, dir das zu erklĂ€ren. Ich meine, das Ganze wird dich wahrscheinlich total umhauen. Abgesehen davon, ist das nicht meine Aufgabe. Meine Aufgabe war lediglich, dich in unsere Clique zu integrieren“, fuhr sie mich schon fast hitzig an.
„Weil Lena sich weigerte?“ Schmerz flammte in meiner Brust auf, bei dem Gedanken, dass mir diese Person von Anfang an keine Chance gegeben hatte, und bei dem Gedanken, dass Tinas Freundlichkeit mir gegenĂŒber nur ein Auftrag oder gar eine lĂ€stige Pflicht fĂŒr sie gewesen zu sein schien. Meine Augen fĂŒllten sich mit TrĂ€nen.                              „Ich wusste nicht, dass unsere angehende Freundschaft fĂŒr dich nur eine Aufgabe ist, die dir von eurer sogenannten kuriosen Gemeinde aufgezwungen wurde“, sagte ich betroffen.
„Nein, nein. So ist das nicht“, protestierte sie sofort.
„Ich habe mich falsch ausgedrĂŒckt.“ Sie seufzte und sah mich entschuldigend an. „Ich habe das gern gemacht. Tom hatte mich darum gebeten, weil Lena sich schon von Anfang an dagegen weigert. Ich wusste bereits, dass du eine von uns bist, bevor alle anderen davon erfuhren. Und ich mochte dich, vom ersten Tag an.“ Tinas großen, dunklen Knopfaugen funkelten ehrlich und gefĂŒhlvoll. Sie griff ĂŒber den Tisch hinweg nach meiner Hand und hielt sie fest.
„Du gehörst zu uns. So wie jeder andere von uns auch. Und niemand wird das jemals Ă€ndern können. Nicht einmal Lena Hanson.“ Eine unbeschreiblich ergreifende WĂ€rme umhĂŒllte mein Herz bei dem Gedanken, tatsĂ€chlich richtig dazuzugehören.
„Wirst du mir also nicht meine Fragen beantworten?“, murmelte ich betreten.                       „Zuerst hatten wir uns darauf geeinigt, dass Daniel, dich ĂŒber alles aufklĂ€rt. Sein Dad ist Vorsitzender des MĂ€chtigenrats. Daniel ist etwas wie unser CliquenanfĂŒhrer, da er eines Tages sein Erbe antreten wird. Doch dann mischte Jake sich ein und nahm die Aufgabe auf sich, dich ĂŒber alles zu informieren. Aber wenn du nicht warten kannst, dann werde ich versuchen, dir deine Fragen jetzt zu beantworten. Ich verstehe deine Ungeduld.“
Tinas Angebot war großzĂŒgig, doch da Jake sich offenbar dieser Aufgabe annehmen wollte, wĂŒrde ich mich eben zusammenreißen und auch noch einen Tag warten können. Eines jedoch, wollte ich jetzt schon wissen. Billy Anderson und seine beiden Freunde gingen mir einfach nicht aus dem Kopf. Dieses interessierte Funkeln unter den dichten, schwarzen Wimpern seiner dunklen geheimnisvollen Augen. Woher kannte er meinen Namen?
„Warum nennt ihr diese anderen ‚die Anderen‘? Und wer ist dieser Billy Anderson?“
„Sie tragen diese Bezeichnung, weil sie anders sind als wir. Vor langer Zeit waren unsere beiden Gemeinden noch vereint, alle lebten in Frieden und arbeiteten zusammen. Doch dann wurde innerhalb der damaligen Gemeinde ein mĂ€chtiger Streit entfacht. Schreckliche Dinge passierten, wofĂŒr die Anderen verantwortlich waren. Sie gaben unsere Existenz Preis und setzten sie somit aufs Spiel. Wir folgen strickten Gesetzen, an die sich jeder von uns zu halten hat. Einige jedoch, hielten sich nicht an diese Gesetze, also wurden sie auf die andere Seite der Stadt verbannt. Longford wurde in drei Gebiete aufgeteilt. Die Anderen dĂŒrfen unsere Seite der Stadt nicht betreten und wir, die ‚Konservativen‘- so wie sie uns nennen, hingegen ihre nicht. Den dritten Teil – das Stadtzentrum darf von beiden Gemeinden betreten werden. Doch wir meiden es, ihnen ĂŒber den Weg zu laufen. Also gehen wir nicht oft in die Stadt. In den vergangenen Jahren ist das Verhalten der Anderen immer weiter aus dem Ruder geraten. Wie gesagt: Sie sind skrupellos und gehen ĂŒber Leichen. Deswegen nennen wir sie die Anderen. Und Billy Anderson ist nichts weiter als ein verzogener, arroganter Idiot. Er gehört der Familie Anderson an, einer der GrĂŒnderfamilien Longfords sowie der Gemeinde der Anderen. Seine Familie handelt fahrlĂ€ssig und kriminell. Sie ist sehr mĂ€chtig, da auch immer eines ihrer Familienmitglieder dem MĂ€chtigenrat angehört. Wir versuchen uns, so gut es geht, von ihnen fern zu halten.“ Ich erinnerte mich an die Geschichte von der GrĂŒndung Longfords, welche Mr Hanson an dem Grillabend erzĂ€hlt hatte. McCollin, Sawyer und Anderson lauteten die drei Namen der GrĂŒnderfamilien. Ich hatte ja keine Ahnung, dass diese drei Familien immer noch existierten. Daniel Sawyer gehörte auch einer von ihnen an. Lena Hanson hatte bei unserer ersten Begegnung irgendetwas in der Richtung gesagt, dass ich nicht den „Konservativen“ angehören wĂŒrde. Damals hatte ich ihre Aussage völlig falsch interpretiert. Jetzt wusste ich, dass sie damit hatte sagen wollen, dass ich nicht ihr und der Clique und ihrer ganzen Gemeinde, oder was auch immer sie waren, angehörte. Doch wenn diese „Anderen“ von solch böser Natur waren, dann mĂŒsste Lena doch eigentlich zu ihnen gehören.
„Gehört Lena auch den Anderen an?“, fragte ich dann. Meiner Meinung nach, traf diese Beschreibung ebenso genau auf Lena Hanson zu. Sie war schlimmer als skrupellos und hielt sich gewiss nicht an Regeln. Tina kicherte, was die dĂŒstere Stimmung wieder ein wenig auflockerte.
„Nein, Lena ist eine von uns. Sie ist bei Weitem kein Engel, dessen bin ich mir bewusst. Aber mit den Anderen kann man sie nun wirklich nicht vergleichen. Außerdem wĂŒrde sie gar nicht auf dieser Seite der Stadt leben, wenn sie eine von ihnen wĂ€re. Die Familie Hanson gehört den Konservativen an, das hat sie schon immer“, erklĂ€rte Tina.
„Und was ist der Grund dafĂŒr, dass sie mich so sehr hasst? Hasst sie mich deswegen, weil ich zu euch gehöre und ihr ein neues Mitglied in eurer Clique nicht in den Kram passt? Will sie mich prĂŒfen?“
„Kann sein. Vielleicht tut sie sich schwer damit, jemand Neues in unsere Gruppe aufzunehmen. Anders kann ich mir ihr Benehmen auch nicht erklĂ€ren.“ Doch Tina war offensichtlich genauso ahnungslos wie ich. Lenas skurriles Verhalten mir gegenĂŒber erschien ihr ebenso schleierhaft wie allen anderen auch. Ich zermarterte mir das Hirn ĂŒber Lena Hansons Verhalten und hatte plötzlich wieder ihr blutzerlaufenes Gesicht vor meinen Augen. Als in genau diesem Moment jemand die HaustĂŒr aufschloss, verschwand dieses Gesicht wieder. Dankbar und erleichtert atmete ich tief aus. Tina und ich sprangen sofort auf, um zu sehen wer gekommen war. Jimmy und Tom standen in der TĂŒr und starrten mir beide erwartungsvoll entgegen.
„Weiß sie nun Bescheid?“, wollte Tom von Tina wissen, doch er sah dabei nur mich an.       „Jake wird sie morgen in aller Ruhe aufklĂ€ren. Er wurde vorhin von den Anderen unterbrochen.“
„Ja, davon hörten wir“, gab Tom trocken zurĂŒck, seinen Blick fortwĂ€hrend auf mich gerichtet.
„Jimmy und ich werden dich nach Hause bringen“, wandte er sich dann schließlich an Tina. Sie nickte, schlang mich in ihre Arme und sagte:
„Mach dir keine Gedanken. Geh ins Bett und ruh dich aus. Morgen wird sich fĂŒr dich alles aufklĂ€ren.“ Ich erwiderte ihre herzliche Umarmung und mein Blick fiel auf Jimmy. Er sah mich mit mĂŒden Augen an und ich wusste, dass er bereits aufgeklĂ€rt war. Tom, sein neuer bester Freund, hatte es ihm sicherlich schon lĂ€ngst verraten. Tina löste sich von mir und ging aus der TĂŒr. Mein Blick lag immer noch auf Jimmys schuldbewusster Miene und ich hob beleidigt das Kinn. Er wusste genau, wie sehr ich unter unserem Umzug nach Longford litt! Er kannte seinen wahren Grund, dennoch hatte er es nicht fĂŒr nötig gehalten, ihn mir zu offenbaren. Jimmy schĂŒttelte meinen vorwurfsvollen Blick ab und folgte Tina aus der TĂŒr.
„Ich habÂŽ dir ja gesagt, dass sich alles aufklĂ€ren wird. Morgen wirst du endlich eingeweiht und all deine Fragen werden dir beantwortet.“ Tom lĂ€chelte mir zu und schloss die TĂŒr hinter sich. Ich blieb zurĂŒck, allein, mit unzĂ€hligen von unbeantworteten Fragen. Ich war hundemĂŒde, alles drehte sich im Kreis und mein Kopf war kurz vorm Explodieren. Der heutige Tag hatte mir echt zu schaffen gemacht. Vielleicht wĂ€ren noch mehr dieser extravaganten Informationen wirklich zu viel fĂŒr mich gewesen. TrĂŒbselig trottete ich die Stufen hinauf in mein Zimmer, ließ mich ins Bett fallen und schlief auf der Stelle ein.

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Der spannende Auftakt einer Fantasysaga

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Eine alte Fehde, zwischen zwei verfeindeten Gemeinden.
Ein dunkler Fluch, der ihre Existenz gefÀhrdet.
Eine entzweite Familie, dazu gezwungen, einander zu hassen.
Und zwei Herzen, mit der Bestimmung, sie alle zu erlösen.

Die sechzehnjĂ€hrige Anastasia (Stacy) zieht unerwartet in die Kleinstadt Longford. Doch mit der Stadt und ihren Stadtbewohnern scheint etwas nicht zu stimmen. Diese seltsamen Blicke, eine Clique, die sich ihr gegenĂŒber ziemlich fragwĂŒrdig verhĂ€lt und diese allumfassende Energie, die sie hier verspĂŒrt.
Was ist das fĂŒr ein grĂŒner Schimmer und was hat es eigentlich mit den „Anderen“ auf sich, die auf die andere Seite der Stadt verbannt wurden?

Die Antworten auf Stacys Fragen lassen nicht lang auf sich warten, jedoch werfen diese nur noch weitere Fragen auf: Schließlich kommt sie einem Geheimnis auf die Spur, dessen EnthĂŒllung ihren Untergang bedeuten könnte, doch sie ist fest entschlossen, die Wahrheit herauszufinden – koste es, was es wolle.

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Teil II: Anastasia und das dunkle Geheimnis – bald erhĂ€ltlich❣ 

Leseproben:

Der spannende Auftakt einer Fantasy-Familiensaga 📚 

Auszug aus Kapitel I: Die neuen Nachbarn – Leseprobe I

Auszug aus Kapitel I: Die neuen Nachbarn – Leseprobe II

Auszug aus Kapitel I: Die neuen Nachbarn – Leseprobe III

Auszug aus Kapitel II: Die innere Stimme – Leseprobe IV

Auszug aus Kapitel II: Die innere Stimme – Leseprobe V

Auszug aus Kapitel III: Der grĂŒne Schimmer – Leseprobe VI

Stell dir vor, du wÀrst gefangen in einer Illusion von Wirklichkeit

Auszug aus Kapitel III: Der grĂŒne Schimmer – Leseprobe VII 🍁 

Anastasia Leseprobe VIII: Die Aufnahmezeremonie 

Ein Universum voller Geheimnisse: Wie alles begann 

Anastasia IX: Der Schwur auf das heilige Scriptum 

Leseprobe: Das grĂŒne GlĂŒck – Auszug aus Kapitel V

Machtlos gegen das eigene Schicksal – Auszug aus Kapitel I

Leseprobe das grĂŒne GlĂŒck – Auszug aus Kapitel V
Anastasia Leseprobe: Das grĂŒne GlĂŒck II

Eine dĂŒstere, tief verborgene, finstere Macht 

Anastasia & Billy: Das erste GesprĂ€ch 📖 

Nichts ist wie es scheint und die Wahrheit findet immer einen Weg 

Anastasia im Bann der Anderen – Teil II von VIII

Ein unsichtbares Band

Die dunkle EnthĂŒllung

Das neue Zuhause

Angst ĂŒberwinden: Das neue Zuhause

Angst ĂŒberwinden: Die magische Stadtgrenze

Gemischte GefĂŒhle

 

 

Bild von Bruno /Germany auf Pixabay
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